Argentinien - Nordpampa

Da wir die Kälte auf 3000 Metern trotz nun funktionierender Standheizung fürchten, fahren wir noch möglichst weit hinunter und campieren am Abend auf 1400 Meter in Uspallat.

Am nächsten Morgen berichtet Petra, dass sie bei ihrem nächtlichen Gang auf die Toilette ein Auto mit Schweizer Nummernschilder gesehen hat.

Als wir bei unserer Abreise um 11 Uhr ans Wagenfenster kloppen und "Guete Morge" rufen. Ertönt aus dem Innern ein verschlafenes "Morge" zurück. Bald darauf öffnet sich die Hecktür und Lukas und Jasmin krabbeln ins Freie.

 

Die beiden sind seit Januar in Südamerika unterwegs. Nach längerem Plaudern entschliessen wir uns noch schnell einen Kaffee zusammen zu trinken. Und nach einigen Kaffees beschliessen wir gemeinsam am Abend ein Raclette zu machen und am nächsten Morgen entscheiden wir uns dann, dass es noch nett wäre die nächsten Tage gemeinsam weiter zu reisen.

 

Zu viert machen wir uns auf den Weg zum 100km nördlich gelegenen El Leoncito Nationalpark. Es sind sehr kurzweilige Tage mit den beiden und wir schätzen ihre Gesellschaft sehr.

 

Im Nationalpark besuchen wir die Abendführung im Observatorium, lassen uns alle Sterne des südlichen Nachthimmels erklären. Tags darauf quälen wir uns 3 Stunden durch eine Mondlandschaft zum Cerro El Leoncito hoch. Dieser ist zwar nur 2900 Meter hoch, doch wir pfeifen alle vier als wir die letzten Meter auf den Gipfel kraxeln.

 

23.04.2011

Da Lukas und Jasmin ebenfalls noch ein paar Weinbauern besuchen möchten. Fahren wir gemeinsam weiter nach San Juan. An diesem Abend finden wir erst sehr spät einen Campingplatz. Wir sind hundemüde von der langen Fahrt als wir dann endlich unsere Autos parkiert und uns für die Nacht eingerichtet haben. Der Campingplatz ist aufgrund der Osterfeiertage gut gefüllt und wie üblich nimmt keiner wirklich auf Vorschriften Rücksicht. Überall werden die Autos hingestellt. Doch ausgerechnet zu uns kommt der Campingwart und beschwert sich lauthals, dass wir unsere Autos nicht in den Campingbereich stellen dürfen.

Ihr müsst wissen, dass die wenigsten Argentinier mit Camper oder ähnlichem unterwegs sind. Meist haben sie nur ein einfaches Igluzelt. Das Auto wird dann auf dem Parkplatz abgestellt und das Zelt unter den Bäumen aufgestellt. Da wir im Auto schlafen, versuchen wir uns unter die Bäume in den Schatten zu stellen. Am Morgen sehr hilfreich, denn sobald die Sonne aufgeht wird es im Auto schnell sehr heiss.

Auf dem Campingplatz haben sich jedoch auch einige Argentinier ihre Autos unter die Bäume gleich neben ihre Zelte gestellt. Der Campingwart meckert jedoch nicht bei denen, nein, er meckert bei uns. Lukas und Jasmin versuchen in zu beschwichtigen und argumentieren, dass es ja nur für eine Nacht sei. Mit selbstgefälliger Miene gibt der Wart zurück, dass das nicht gehe.

Da platzt Paddy der Kragen. Er erinnert sich, was Katja uns in der Spanisch-Schule an einem der ersten Tage erklärt hat. In Argentinien muss man entweder mit langem Argumentieren und gut Zureden versuchen das Gegenüber zu überzeugen oder man fährt richtig heftig mit den schlimmsten - wirklich den schlimmsten - Schimpfwörtern ein. Was man aber in keinem Fall werden soll ist wütend. Wütend scheinen, ja – wütend sein, nein. Daran erinnert sich Paddy, als er sieht wie Lukas und Jasmin sich vergeblich bei dem überheblichen Campingwart bemühen.

Er geht direkt auf den Mann zu, packt ihn am Arm, dreht ihn zum Auto und erklärt im lautstark, dass das Auto zu lang sei um quer auf dem Fahrweg zu parkieren. Längs könne man es ja sowieso nicht aufstellen da der Fahrweg viel zu schräg ist, um dann noch im Auto schlafen zu können. Als der Campingwart meint, dass ihn das nicht interessiere und wir halt kein Spanisch verstehen, wird Paddy noch lauter, bekommt einen dicken Hals und einen hochroten Kopf. Jetzt schimpft er in voller Lautstärke auf Schweizerdeutsch. Der Mann versteht nichts. Einzig die Gestik und Lautstärke scheinen ihn jedoch zum Einlenken zu bewegen und bald darauf lenkt er ein mit den Worten, dass es ja nicht seine Schuld sei; ja es sei ja auch nicht unsere Schuld. Es sei halt eben einfach so, dass wenn die Polizei komme, diese vielleicht etwas einzuwenden hätte. Wir sollen halt für die eine Nacht stehen bleiben.

Zwar lehnt er dann das angebotene Bier ab, doch die Cola von Paddy und die Zigarette von Lukas nimmt er dann gerne und er verabschiedet sich kurz darauf schon bald freundschaftlich mit den Worten, dass er vorne im Torhaus sei, wenn wir noch etwas brauchen würden.

 

Aha! So funktioniert also die Alternative! Das war eine lehrreiche Begegnung. Und wir sind froh, dass wir nun wissen, wie die Notfalloption aussieht, wenn sich einer wichtigmachen will.

 

28.04.2011

Tags darauf besuchen wir zwei kleine Weingüter und rennen bei unserem Favoriten "Callia" an. "Callia" möchten wir unbedingt besuchen, denn sie produzieren eine unserer Lieblingsweine, den wir zu Hause ab und zu trinken. Wie wir erfahren hat das Weingut erst wieder am Dienstag offen. Das sind noch 2 Tage.

 

Jasmin und Lukas verabschieden sich am nächsten Tag. Sie fahren nach Mendoza zu "unserem" Automech, denn sie haben ein Problem mit der Kupplung. Schade, jetzt sind sie weg. Es war schön mit den beiden und wir hatten immer etwas zu diskutieren oder zu lachen.

Den Montag verschlafen wir und am Dienstag fahren wir zu "Callia". Etwas barsch werden wir am Eingang vom Sicherheitsbeamten empfangen und auf den Parkplatz gewiesen. Als wir uns einige Meter davon wegbewegen, um uns umzuschauen, kommt er gleich angerannt und weist uns resolut zurück zum Auto. Da hat wohl einer seine Aufgabe etwas falsch verstanden.

Umso interessanter ist dann die Führung durch das Weingut. Es versteht sich von selbst, dass wir einige Flaschen kaufen müssen, die wir in der Schweiz nicht bekommen. Hmmm sind die fein.

 

Um 9 Flaschen Wein reicher, verlassen wir die Provinz San Juan und Fahren in den Nationalpark Sierra de las Quijadas. Der Nationalpark ist bekannt für seine Schlucht. Fast schon wie die Bungle-Bungle in Australien türmen sich die Felsen und Erdhügel.

Auf dem kleinen Campingplatz im Park ist es totenstill, so friedlich! Bis Petra losschreit und Paddy zu sich ruft.

Aua, aua! Mich hat eine Biene gestochen. Sie ist mir die Hose hoch und hat mich am Knie gestochen.

Also schnell die Hosen runter und den Stachel rausziehen.  Zum Glück ist Petra nicht allergisch auf Bienen – denken wir…

Eine Stunde später ist der Stich schon so gross wie eine Handfläche und wir reiben Salbe ein. Am nächsten Morgen ist der Stich schon fast so gross wie zwei Handflächen und wir reiben weiter Salbe ein. Auf die 3-stündige Wanderung will Petra aber nicht verzichten. Auf dem Rückweg schmerzt dann aber das Knie und zurück auf dem Campingplatz stellt sich heraus, dass sich rund um den Bienenstich Blasen gebildet haben. Es sieht aus wie eine Verbrennung.

Was für eine Monsterbiene hat denn da gestochen. Langsam wird es uns mulmig. Petra schluckt nun auch noch Antihystamin-Tabletten, doch die Geschwulst geht nicht zurück. Wir sind einigermassen ratlos. Sollen wir zum Arzt fahren oder nicht? Wir entschliessen uns noch einen Tag zu warten.

 

Am Abend, es regnet, kommt uns die Idee die Geschwulst mit Hydrocortison zu behandeln. Und siehe da nach kaum 2 Stunden ist die Geschwulst merklich zurückgegangen. Wir sind froh, dass wir das richtige Mittel gefunden haben. Nun gilt es nur noch die aufgeplatzen Blasen richtig zu versorgen, so dass nicht noch eine Infektion entsteht.

 


03.05.2011

Regen, Frost und unheimliche Begegnungen der schwarzen Art

Tagesetappen: Villa Larca – Merlo – Alta Gracia – Capilla del Monte

 

Der Winter ist definitiv eingetroffen. Die Nächte sind bitter kalt und teilweise ist das Auto mit einer Schicht Raureif überzogen. Die defekte Standheizung vermissen wir bitter. Zum Glück sind jedoch die Tage immer noch warm genug, um unsere steifen Knochen aufzutauen. Uns bangt vor Bolivien, wo es im Altiplano nachts noch viel kälter werden soll.

 

Unser Abstecher nach Papagaya fällt ins Wasser. Das Tal voller Palmen ist bei Dauerregen einfach nicht wirklich ansehnlich und so drehen wir um und fahren weiter nach Norden.

Am nächsten Tag fahren wir endlich in die Sierra de Cordoba. Die kurzen Lücken in Wolken und Nebel lassen uns erahnen, dass die Landschaft eindrücklich sein muss – doch wirklich sehen tun wir es nicht. Erst als wir auf die Abzweigung in den El Condorito National Park einbiegen, reissen die Wolken auf und wir erblicken eine eindrückliche Landschaft, die man viel eher im Schottischen Hochland als mitten in Südamerika erwarten würde. Grosse Granitrücken erheben sich zwischen Flächen von Gras und Heidekraut. Bei der kleinen Station des Nationalparks erfahren wir leider, dass die nächsten Aussichtspunkte mehr als 2 Stunden Wanderung entfernt sind. In Anbetracht von Petras Bein, dem heftigen kalten Wind und der unsicheren Wetterlage entscheiden wir uns schweren Herzens weiterzufahren. Gerne hätten wir diesen Park zu Fuss erkundet. Die Landschaft hat uns sehr gefallen.

 

So fahren wir nun in unzähligen Serpentienen die Sierra hinunter nach Alta Garcia. Wir freuen uns auf die Besichtigung des alten Jesuiten Klosters und des Che Quevara Museums. Als wir dann am nächsten Tag an die Türe der Museen klopfen, erfahren wir, dass ausgerechnet am 1. Mai alles geschlossen ist – und das in Argentinien, wo doch sonst kein Sonntag oder Feiertag wirklich heilig ist und die Geschäfte jeden Tag offen haben.

 

Da bleibt uns heute auch nichts weiter übrig, als weiter zu fahren. Carlos Paz, was als argentinisches Las Vegas berühmt ist, scheint seinen Glamour auch erst nachts und vor allem im Sommer versprühen zu wollen und so fahren wir weiter nach Capilla del Monte. Hier, so wird berichtet, gibt es immer wieder UFO Sichtungen. Kurzerhand parkieren wir uns auf dem Campingplatz, schalten alle Lichter aus und harren gespannt, ob wir das Glück haben und ein UFO sehen?

UFO's haben wir in dieser Nacht nicht gesehen, doch dafür eine unheimliche Begegnung der schwarzen Art gemacht. Als wir so aufmerksam in der Nacht sassen – umringt von hungrigen Hunden, taucht aus dem Dunkeln ein schwarzer Schatten auf! Ein Ausserirdischer? Ein Bär? – Nein, ein weiterer grosser Hund, der sich knurrend bei seinen Kollegen Respekt verschafft und als sich einer der jüngeren Hunde zu weit vorwagt, bellend auf in stürzt und ihn beisst.

Da hat er die Rechnung aber ohne Paddy gemacht. Einfach herkommen, knurren und die anderen Hunde beissen – so nicht! Mit zwei Schritten ist Paddy bei dem schwarzen Schatten, packt ihn am Nacken und drückt ihn zu Boden. Damit hat das Monster nicht gerechnet. Eingeschüchtert duckt er sich am Boden nun nur noch halb so gross wie die kleineren Hunde. Paddy schimpft lautstark mit ihm und wie es scheint ist es genau das, was er braucht, denn von da an weicht er uns nicht mehr von der Seite. Schläft unter dem Auto, sitzt den ganzen folgenden Tag neben uns und begleitet uns zum Einkaufen in die Stadt. Es ist gespenstisch, dass der grosse Hund uns wie ein schwarzer Schatten folgt. Als wir dann in den Supermarkt gehen, wird es langsam grotesk. Der Hund hat keine Hemmungen uns auch in den Supermarkt zu folgen. Verzweifelt versuchen wir ihn aus dem Laden zu weisen. Die Sicherheitsbeamtin macht nur grosse Augen und fragt, ob es unser Hund sei – wir verneinen es zwar, jedoch sind wir uns nicht so sicher. Schliesslich packt ihn Paddy um die Brust und trägt in hinaus. Mit dem Resultat, dass er zwei Gestelle weiter wieder neben uns steht. Wir geben auf.

Uns ist die Situation unangenehm, doch wie es scheint stösst sich keiner daran. Die Kunden laufen um den Hund herum als sei es völlig normal, dass man den Hund in einen Supermarkt mitnimmt. Als wir dann die Fleischtheke sehen, wird uns dann aber recht mulmig, schnell machen wir uns davon und hoffen, dass der Hund uns folgt, was er zum Glück auch tut.

 

Habt ihr schon einmal den Film "Man in Black" gesehen? Da treten die Ausserirdischen in der Maskierung von Hunden auf. Es würde uns nicht überraschen, wenn sich herausstellen würde, dass der grosse Schwarze Hund ebenfalls ein verkappter Ausserirdischer ist.

 

Seit Tagen haben wir bereits das Gefühl, dass bei unserem Auto am linken Vorderrad etwas nicht stimmt. So fahren wir heute vor der Weiterfahrt bei einem Mechaniker vorbei. Er meint es könnte das Radlager sein, das nachgezogen werden muss. Als Paddy das Radlager freigelegt hat ist aber klar, dass es nicht daran liegt. Wir sind ratlos. Der Mechaniker meint wir sollen am späteren Nachmittag nochmals zurückkommen, dann hätte er die Möglichkeit kurz unter das Auto zu schauen.

 

Für uns bedeutet dies eine weitere Nacht in Capillas del Monte. Wir entschliessen uns den Nachmittag in der Stadt beim Surfen im Internet zu verbringen.

In der Stadt, auf der Suche nach einem geeigneten Café, werden wir von einem netten jungen Mann angesprochen der uns auf Englisch fragt, ob er uns helfen kann. Bald sind wir mit ihm in ein Gespräch vertieft. Er heisst Mariano, arbeitete früher als Polizist und studiert jetzt Englisch. Die Polizei war im zu korrupt, meint er. Nach einer Stunde erinnert er sich, dass er eigentlich zum Arbeiten hier wäre und wir vertagen unsere Diskussion auf den Abend, um es bei einem Abendessen fortzusetzen.

 

Am frühen Abend sind wir zurück bei der Garage und warten bis der Mechaniker Zeit hat. Stunden später, wir stehen über der Grube, rüttelt er dann unter unserem Auto und findet bald heraus, dass eine Gummidämpfung für den vorderen Stabilisator ausgeschlagen ist. Wir sind erleichtert! Endlich wissen wir was es ist und das es nichts Aufwändiges ist. Leider hat er keine Ersatzteile, doch ein Stück alter Fahrradschlauch tut es auch als Provisorium. So fahren wir mit dieser vorübergehenden Lösung zum Campingplatz zurück um uns zu installieren.

 

Klar, dass uns auf dem Campingplatz unser Freund, der schwarze Hund bereits erwartet. Da wir am Abend zu Fuss in die Stadt gehen, beschliesst er uns wieder zu begleiten – uns ahnt böses!

In der Stadt folgt uns der Hund auf Schritt und Tritt. Selbst als wir mit Mariano auf ein Bier in eine Bar gehen versucht er uns zu folgen. Als ein unachtsamer Gast die Tür nicht schnell genug schliesst, taucht er 2 Sekunden später neben unserem Tisch auf. Alles Scheuchen und Drängen des Bar-Besitzers nützt nichts, der Hund lässt sich nicht aus dem Lokal drängen. Erst als Paddy hinausgeht, folgt er im. Schnell ist die Tür wieder geschlossen und der Hund steht draussen – nicht lange, denn nun drückt das Tier die Tür selbst auf und beschliesst nun endgültig bei uns zu bleiben. Mit einem Schmunzeln  geben wir uns geschlagen.

Beim Abendessen sind wir dann vorsichtiger. Wir warnen den Besitzer, dass ein grosser, schwarzer Hund uns folgt und wir ungestört Abendessen wollen. Erstaunlicherweise schafft er es, den Hund nicht reinzulassen und wir können ungestört essen.

Uns beiden tut der Hund aber leid und so verzichten wir auf ein Stück unseres tellergrossen Steaks und lassen es für den Hund einpacken. Der Hund stürzt sich später ausgehungert auf unsere Resten – wahrscheinlich war das alles Kalkulation. Die sind ja nicht dumm, die Tiere!


Wen die Sonne untergeht - Vuelta de Perro

 

Wenn die Sonne in Argentinien hinter dem Horizont verschwindet, tauchen im Zwielicht der Dämmerung seltsame Gestalten auf, Fahrzeuge fahren plötzlich langsam um den Dorfplatz und Motorräder knattern im Schritttempo an einem vorbei. Es macht sich ein mulmiges Gefühl breit.

Es dauerte lange bis wir herausfanden, dass wir uns nicht zu fürchten hatten. Dass es keine Kleinkriminelle sind die uns beim Campieren ausspionieren, um uns dann Nachts zu überfallen. Nein es sind ganz normale Menschen die ihre „Vuelta de Perro“ machen – die ihre Runde drehen mit dem Hund. Gut, meist ist es ohne Hund und es geht in erster Linie ums Leute-Treffen. In den Kleinstädten und Dörfern Argentiniens werden mit der Dämmerung die Gehwege hochgeklappt und es gibt nichts mehr zu tun. Also trifft man sich auf der Strasse, schlendert um den Dorfplatz, hüpft bei einem Bekannten ins Auto und dreht eine Runde ums Dorf - oder begafft die Ausländer mit ihrem komischen Gefährt.


Heute geht es weiter nach Santa Catalina, einer alten Jesuiten Estancia. Die Strecke ist wunderschön und führt durch eine hügelige, grüne Landschaft.

In Ongamira wartet eine Überraschung auf uns. Vor uns erheben sich runde, schon fast pilzförmige Monoliten wie kleine Berge. Das sehen wir uns näher an. Bei einer Farm parkieren wir unser Auto und nehmen den ausgeschilderten Pfad unter die Füsse.

Der Ort ist früher in vorspanischer Zeit ein heiliger Ort der Indios gewesen. Von den Überresten der Indios sieht man nicht mehr viel, doch ist es eindrücklich um und über die Felsen zu gehen. Imposant erheben sich die Wände über uns.

 

Etwas später treffen wir dann bei Santa Catalina ein, nur um noch zu sehen wie uns der Angestellte kommentarlos die Türe vor der Nase schliesst. Erst auf unsere Frage hin verkündet er, dass nun Siesta sei und wir um 2 Uhr zurückkommen sollen.

Was macht man solange? Man geht in das danebenliegende Restaurant und fängt ein Gespräch mit der Besitzerin an. Victoria entpuppt sich als sehr interessante Gesprächspartnerin und so können wir uns nur schwer vom Gespräch lösen, um die Kirche, das Kloster und die Estancia zu besichtigen.

Die Estancia Santa Catalina ist ein UNESCO Weltkulturerbe. Die Besichtigung ist interessant, doch sind wir wohl zu verwöhnt mit all unseren prunkvollen Kirchen und Klöstern in Europa. Deshalb sind wir dann nach der Führung auch etwas ernüchtert und kehren zu Victoria und dem interessanten Gespräch zurück.

Etwas später ergibt sich dann auch, dass wir für die Nacht hier bleiben und Victoria lässt uns im Garten parkieren. Anschliessend an den Nachmittag und Abend stehen einige leere Flaschen Wein herum, als wir nach Mitternacht in unsere Betten klettern.

 

Unser Ziel ist Cordoba. Wir müssen doch noch neue Befestigungsgummis für unser Auto haben. Wir haben nicht grosse Hoffnungen Originalteile für unser Auto zu finden. Zu selten ist unser Auto in Südamerika.

Gleich beim ersten Anlauf werden wir in unseren Befürchtungen bestätigt. So geht unsere Suche weiter.

 

Wie es scheint, ist allgemein unsere Ausrüstung etwas reise-müde. Denn nun ist uns heute auch noch der Bildschirm unseres Netbooks kaputt gegangen. Wir können unseren Laptop nur noch durch ein Gewirr von farbigen Flecken auf dem Bildschirm bedienen.

 

Für die nächsten 1-2 Tage ist Kilometer-Fahren angesagt. Langsam aber sicher zieht es uns Richtung Uruguay und Paraguay und wir sind gespannt wie sich diese Länder anfühlen.

Palmen

11.05.2011

Tagesetappen: Santa Catalina – Arroyito – El Palmer N.P. – Mercedes (URU) – Colonia del Sacramento (URU)

 

In Cordoba machen wir einen Effort, um neue Gummihalterungen für den Stabilisator an unserem Auto zu finden. Wieder einmal werden wir von den verschiedenen Händlern auf eine Stadtrundfahrt geschickt. Jeder kennt einen, der bestimmt das gesuchte Teil hat. Zum Glück haben wir bereits beim zweiten Händler zwei annähernd passende Gummis gekauft. Notfalls können wir diese etwas zurecht schnipseln. So verlassen wir schliesslich spätnachmittags Cordoba auf der Strasse nach Osten – natürlich ohne passende Gummis.

Nach einem weiteren anstrengenden Tag treffen wir bei unserem nächsten Etappenziel ein, dem El Palmar Nationalpark. Da wir aber vom vielen Fahren müde sind, schalten wir erst einmal einen Ruhetag ein, schlafen aus, lesen etwas und leisten uns den Luxus, uns im Restaurant zu verpflegen.

 

Der Nationalpark empfängt uns wieder einmal mit der etwas schiefen Realität, dass Argentinier wohl denken, dass alle Ausländer, egal, ob aus der Schweiz oder Bolivien, mehr Geld haben als die Argentinier selbst: Der Eintritt für Ausländer kostet das Doppelte. Paddy macht zwar am Eingang seinem Unmut Luft und schlägt vor, dass künftig alle Argentinier in Europa ebenfalls das Doppelte an Eintrittsgeldern bezahlen sollen, doch ist klar, dass das nur heisse Luft ist, denn ändern tut das nichts.

 

El Palmar ist ein sehr schöner Park, wenn auch etwas sehr touristisch. Ein Besuch ist dringend für unter der Woche und ausserhalb der Hauptsaison zu empfehlen. Die Infrastruktur ist recht gut ausgebaut und entsprechend viele Leute tummeln sich auf den Wegen, Strassen und Parkplätzen, überall rauchen die Parillas (Grill).

Der Park ist, wie der Name es bereits sagt, speziell für Palmen. Es ist die ursprüngliche Palmenart Yatay, welche hier noch ein kümmerliches Dasein fristet. Früher, vor der Landnahme der Kolonisten, haben diese Bäume das ganze Land zwischen Rio Parana und Rio Uruguay bedeckt. Trotzdem ist es eindrücklich und schön durch den Palmen-Urwald zu wandern.

 

Mit einem schönen Sonnenuntergang und einem kühlen Bier beschliessen wir den eindrucksreichen Tag.