Estland

Wir fahren eine zünftige Strecke; über 300km! Wenig?! Nicht für uns. Unser Tagesmittel beträgt ca. 50km. Es gibt so viel zu sehen. Selbst die Zeit die wir uns nehmen, scheint uns zu kurz für all die vielen schönen Dinge.

 

Am Abend landen wir auf einem überfüllten Campingplatz in Pärnu. Wie es scheint, ist es der Tag der vielen Menschen. Jedenfalls entscheiden wir uns auch hier, schon im Nationalpark in Lettland, gegen die Menschenmassen und fahren nochmals 30km zurück. Da haben wir noch eine Hinweistafel zu einem Campingplatz gesehen.

 

Den Campingplatz finden wir. Nur sehr wenige Menschen. 100m vom Meer. Perfekt! Den Sonnenuntergang geniessen wir dann an den Gestaden der Ostsee. Der (fast) perfekte Sonnenuntergang wird jedoch von den nicht gerade appetitlichen schwarzen Wellen und dem penetranten Geruch des Wassers getrübt.

Etwas später am Abend fängt es an zu Regnen; nein, Regen ist das nicht mehr – es schüttet aus Kübeln. Dazu geht ein heftiger Sturm. Uns ist nicht ganz wohl, dass wir unser Auto unter den schönen, grossen Eichen platziert haben. Wenn nur alle Äste halten!

Gegen Mitternacht lassen Sturm und Regen nach und bis am Morgen scheint die Sonne wieder. Alles ist wie frisch gewaschen.

 

Aber oh Schreck! Was ist das für eine Wasserpfütze unterm Kupplungspedal?! Nicht schon wieder. Bereits zu Hause haben wir auf der Fahrerseite wiederholt Wasser unterm Teppich gehabt.

Schwelle raus, Abdeckungen weg, Teppich hoch. Tatsächlich der Fussraum unter dem Teppich ist geflutet. Ist das nur vom Regen? Oder ist das Wasser schon länger da drunter?

Zum Glück sind Autos wie unseres mit Wasserablasslöchern versehen und die beträchtliche Menge Wasser fliesst schnell ab. Alles sauber austrocknen, Rost abschleifen und zum Schluss Rostschutzfarbe drauf (ja, auch das haben wir dabei…).

 

Dann geht die Suche los. Woher kommt das Wasser. Kübelweise giessen wir Wasser über das Auto. Doch nichts. Wir finden nichts heraus! Sicherheitshalber dichten wir nochmals die verschiedenen Kappen und Pfropfen ab und drücken die Daumen, dass es nun wirklich dicht hält.

Schraube locker…

Sehr spät fahren wir los. Wir wollen heute noch bis zum Lahemaa Nationalpark an der Nordküste Estlands. Es bleiben uns nur noch 4 Tage bis wir nach Helsinki übersetzen wollen. Wir haben uns für den 1. August mit Mari und Maija in Helsinki verabredet. (Mari und Maija haben wir vor 2 Monaten im Donau-Delta kennengelernt). Mit ihnen wollen wir den Schweizer Nationalfeiertag feiern und uns von ihnen Helsinki zeigen lassen.

 

Doch zuerst erwartet uns noch DER Nationalpark Estlands. Da es schon spät ist, übernachten wir kurz vor dem Nationalpark auf einem kleinen Campingplatz. Die Dusche ist im Privatbadezimmer der Gastgeberin, die Toilette ein einfaches Plumpsklo am Wegesrand und campiert wird zwischen den vielen kleinen Tannen. Wir sind fast alleine. So gefällt es uns.

 

Am nächsten Morgen überraschen wir uns selber wieder einmal als wir merken, dass wir ja gar nicht wirklich Zeit haben um den Nationalpark zu besichtigen. Einen speziellen Boardwalk über ein Moor hat es, den wollen wir unbedingt sehen. Es stellt sich heraus, dass dieser zwar über ein sehr schönes und interessantes Moor führt doch die topmoderne, von der EU finanzierte Schnellstrasse, die keine 500m weiter vorbeiführt, trübt das Naturerlebnis erheblich.

 

Der Nationalpark ist sehr schön, wenn wir doch nur etwas mehr Zeit hätten. Es wäre so schön zum Radfahren und Wandern. Viel Wald, viele einsame Wege, viele kleine Dörfer und schöne Strände. Doch wir merken wieder einmal mehr: Wir haben zu wenig Zeit. So fahren wir mit den Bildern der eindrücklichen Natur im Herzen nach Tallinn.

 

Eine kurze Schreckensminute erleben wir noch als auf den Parkplatz beim Boardwalk fahren. Ein Deutscher weist uns darauf in hin, dass unsere Autonummer vorne am Fahrzeug herunterhängt. Kalter Schweiss steht uns auf der Stirn als wir die Nummer anschauen. Von 4 Schrauben, die den Rahmen an der Stossstange halten, ist nur noch eine Schraube da. An dieser Schraube hängt die Nummer noch mit 2 Umdrehungen. Einmal leicht rütteln und die Nummer fällt in die Hand. Puhh, Glück gehabt!!! Hätten wir die Nummer verloren – das Tamtam wäre wohl beträchtlich geworden.

Tallin handeln wir schnell ab. Leider. Denn Tallinn hat ebenfalls eine sehr schöne mittelalterliche Altstadt. Wir stellen einen gewissen Sättigungseffekt bei uns fest. So verbringen wir mehr Zeit damit im Internet nach einer günstigen Überfahrt nach Helsinki und den dazugehörigen Tickets zu suchen, als damit, die Stadt zu besichtigen.